Die Bürgerstiftung Mühlacker verleiht zum 15. Mal den Bürgerpreis. Die Auszeichnung geht dieses Mal an den Kulturschaffenden Peter Wallinger, der aus der klassischen Musikszene der Region seit Jahrzehnten nicht wegzudenken ist.
Mühlacker. Die Stadt Mühlacker, ihre Bürgerinnen und Bürger sowie viele Menschen in der Region haben dem Musiker Peter Wallinger viel zu verdanken. Über Jahrzehnte hinweg prägte er das kulturelle Leben maßgeblich – insbesondere im Bereich der klassischen Musik. Sein Wirken reichte dabei weit über die Organisation einzelner Konzerte hinaus: Er schuf Strukturen, förderte Künstlerinnen und Künstler und machte die Senderstadt kulturell weit über die Region hinaus sichtbar.
Dass Wallinger am Mittwochabend im Jugendhaus „ProZwo“ mit dem Bürgerpreis der Stadt ausgezeichnet wurde, der in diesem Jahr zum 15. Mal verliehen wurde, empfanden viele als längst überfällig. Entsprechendes war am Rande der Veranstaltung mehrfach zu hören.
Die Bürgerstiftung Mühlacker fördert Projekte im Interesse der Stadt und ihrer Einwohnerinnen und Einwohner – unter anderem in den Bereichen Jugend-, Familien- und Altenhilfe, Bildung und Erziehung, Natur- und Umweltschutz, Kunst und Kultur sowie der Unterstützung sozial benachteiligter Menschen und Familien. Dem Vorstand gehören derzeit Elsbeth Rommel, Wolf-Dieter Fuchslocher und Martin Sailer an. Aus ihren Händen erhielt der Geehrte Urkunde und Anstecknadel.
„Wir ehren engagierte Bürger, die etwas bewegt haben und bewegen“, sagte Rommel bei der Begrüßung der rund 80 Gäste. Peter Wallinger, selbst in Mühlacker geboren, habe sich „jahrzehntelang und auf höchstem Niveau verdient gemacht“. Neben Oberbürgermeister Stephan Retter begrüßte Rommel zahlreiche Trägerinnen und Träger des Bürgerpreises aus den vergangenen Jahren. In seinem Grußwort hob der Rathauschef die „unglaublich hohe Zahl der Menschen, die sich in der Stadt einsetzen“, hervor und sprach Peter Wallinger sowie der Bürgerstiftung im Namen der Stadtgemeinschaft seinen Dank aus.
Die Laudatio hielt Wolf-Dieter Fuchslocher. „Wir würdigen heute einen Menschen, der sich vollkommen der Musik verschrieben hat“, sagte er und skizzierte die wichtigsten Stationen aus Wallingers Leben. Der 1950 in Mühlacker Geborene kam durch seine musizierenden Eltern früh mit Musik in Berührung, lernte Geige und wirkte im Schulorchester sowie im Chor des Theodor-Heuss-Gymnasiums mit. Später studierte er in Stuttgart Schulmusik und Mathematik. Nach 27 Jahren im Schuldienst am Ellental-Gymnasium in Bietigheim widmete er sich – nach berufsbegleitenden Studien der Musikwissenschaft und Orchesterleitung – vollständig dem Dirigieren.
Fuchslocher hob anschließend fünf besondere Verdienste Wallingers für die Stadt und die Region hervor. An erster Stelle nannte er die Gründung des „Musikalischen Sommers in Lienzingen“ im Jahr 1977. Mit dieser Konzertreihe sei die gotische Frauenkirche als außergewöhnlicher Konzertort wiederentdeckt worden. 2027 feiert die Reihe ihr 50-jähriges Bestehen.
Als zweiten großen Verdienst würdigte er die Wiederbelebung des Uhlandbaus als Spielstätte für hochwertige klassische Konzerte. Durch Wallingers Kontakte, sein Organisationstalent und seine Beharrlichkeit habe sich der Uhlandbau erneut als anerkannter Veranstaltungsort etabliert.
Drittens erinnerte Fuchslocher an die Gründung der Winterreihe „Mühlacker Concerto“ im Jahr 2004. Damit sei es Wallinger gelungen, Künstlerinnen und Künstler von internationalem Rang in eine vergleichsweise kleine Stadt zu holen – und dies bis heute. Musikliebhaber müssten seither nicht mehr in die umliegenden Großstädte fahren, um Konzerte auf höchstem Niveau zu erleben.
Als vierten Punkt nannte der Laudator die 1984 gegründete Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim und die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Spitzenmusikerinnen und -musikern.
Schließlich hob Fuchslocher Wallingers Engagement für den musikalischen Nachwuchs hervor. Die Förderung junger Talente sei stets ein zentraler Bestandteil seines Wirkens gewesen. Immer wieder habe er jungen Musikerinnen und Musikern Auftrittsmöglichkeiten eröffnet und sie nachhaltig unterstützt.
Peter Wallinger dankte nach der Laudatio für die Ehrung sowie für die Unterstützung vieler Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, des Fördervereins und seiner Sekretärin Susanne Bökenheide. Die Leidenschaft für die Musik sei stets sein „Motor“ gewesen, sagte er. Musik schaffe „Gemeinschaftsmomente der intensivsten Art“.
Zum Abschluss dankte Vorstandsmitglied Martin Sailer den musikalischen Mitwirkenden – vermittelt durch die Musikschule Herta Gutmann –, der Leiterin des Jugendhauses, Elser-Druck sowie allen weiteren Unterstützerinnen und Unterstützern.
(Mühlacker Tagblatt vom 22.05.2026, Text und Foto: Dr. Dietmar Bastian)